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Kategorie: Waldensergeschichte

Straßennamen erzählen ihre Geschichte

"Die Waldenserstraße"

Waldenserstraße (Foto Peter Hartleb)In fast allen Waldensergemeinden gibt es eine Waldenserstraße, die an die Ortsgeschichte erinnert. Bei den Waldensern handelt es sich um die einzige ,,häretische" Bewegung aus dem Hochmittelalter; die sich bis zur Reformationszeit behaupten konnte. 1532 schlossen sich die verbleibenden Anhänger dieser Bewegung, die einmal über ganz West- und Mitteleuropa verbreitet war, der Reformation an und bildeten eine eigene kleine reformierte Kirche.
Im 16. und 17. Jahrhundert mussten die Waldenser herbe Rückschläge hinnehmen und wurden in den Cottischen Alpen zunehmend in die Enge getrieben. Insbesondere den französischen Waldensern aus dem Chisonetal blieb ab 1685 keine andere Möglichkeit als die Flucht. Die meisten von ihnen fanden letztendlich Aufnahme in verschiedenen hessischen Territorien, im Herzogtum Württemberg und in der Markgrafschaft Baden-Durlach. Noch heute wird in den von ihnen gegründeten Dörfern die Erinnerung an die waldensische Vergangenheit wachgehalten.
Die Waldenser aus den zu Savoyen-Piemont gehörigen Tälern konnten sich dagegen behaupten. Als sie 1848 endlich die bürgerlichen Freiheiten erlangten, breitete sich die Waldenserkirche über ganz Italien aus. Heute zählt sie ca. 30 000 Mitglieder und ist eine wichtige Stimme innerhalb des europaischen Protestantismus und in der italienischen Gesellschaft.


Die Flucht aus Piemont nach Deutschland

Kurzinformation über die Waldenser

Buch Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland 1699-1999Unter Führung ihrer Pfarrer zogen im September 1698 rund 3000 Menschen aus den Tälern Piemonts über den Mont-Cenis-Paß und durch Savoyen nach Genf. Zu ihnen zählten Henri Arnaud, der aus Embrun im Dauphinè stammte, und weitere sieben Pfarrer, die auf französischem Boden geboren waren und damit unter das Edikt fielen.

Die Männer, Frauen und Kinder waren Waldenser: Anhänger einer im zwölften Jahrhundert von dem Lyoner Kaufmann Petrus Waldes gegründeten Glaubensgemeinschaft, die sich später der Reformation anschloss. Grund für die Flucht waren die Folgen der Aufhebung des "Edikts von Nantes" im Jahre 1685 durch König Ludwig XIV., womit ihnen die öffentliche Ausübung ihrer Religion strikt untersagt wurde.

Genfer Protestanten hatten sich bereit erklärt, die Flüchtlinge den Winter über aufzunehmen. Durch Vermittlung und großzügiger Unterstützung der Niederlande und England gelang es, die Waldenser aus dem Perosatal vor allem in Württemberg und die Pragelaner in Hessen anzusiedeln.

Fast alle Waldenser, die zwischen 1685 und 1701 Kolonien in Deutschland gründeten, stammen aus dem Tal der Chisone (französisch Cluson), die am Kamm der Cottischen Alpen entspringt, das mächtige Albergian-Massiv (3041 m) umfließt und westlich von Pinerolo die piemontesische Ebene erreicht. Sie gehörten aber nicht, wie man aufgrund dieser geographischen Lage meinen könnte, zu einem, sondern zu zwei verschiedenen Staaten. Erst seit dem Frieden von Utrecht 1713 gehörte das gesamte Tal zu Savoyen-Piemont und kam damit auch zum heutigen Italien.

Vorher war das Chisonetal jahrhunderte  lang zwischen Frankreich und Savoyen-Piemont geteilt. Die Grenze verlief am Bec Dauphin, einem Felsmassiv am linken Ufer der Chisone, das noch heute von den Ruinen einer alten Feste überragt wird.

Das Tal oberhalb dieses Felsmassivs war französisch. Nach der wichtigsten und am höchsten gelegenen Gemeinde wurde dieser Talabschnitt als das Pragelatal (italienisch Pragelato) bezeichnet. Das untere Tal bis nach Pinerolo hin, das sogenannte Perosatal (französisch Pèrouse), gehörte dagegen immer zu Savoyen-Piemont, auch wenn es wiederholt über Jahrzehnte von Frankreich besetzt war.

(Quelle: Buch "Dreihundert Jahre Waldenser in Deutschland")